01.03. – Kritik des Kapitalismus
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 21. Februar 2012
(Oliver Barth und Moritz Zeiler, Associazione Delle Talpe, Bremen)
Im Kontext der aktuellen Krise wird wieder vermehrt Kritik am Kapitalismus artikuliert. Dabei dominieren aber meist ein diffuses Verständnis der kapitalistischen Verhältnisse sowie Ressentiments gegen Banken, Management und „die da oben“. Doch Empörung und Unzufriedenheit allein haben die gesellschaftlichen Verhältnisse noch nie zum Besseren verändert. Voraussetzung für gesellschaftliche Emanzipation ist daher stets eine kritische Analyse der ökonomischen und politischen Verhältnisse, ansonsten führen die kommenden Aufstände eher zu Regression und Barbarei. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie wurde zwar bereits im 19. Jahrhundert veröffentlicht, bietet aber nach wie vor eine der profundesten Analysen des Kapitalismus. Mit der Veranstaltung möchte daher in die zentralen Begriffe und Thesen von Marx eingeführt werden. Dabei sollen unter anderem folgenden Fragen diskutiert werden: Was unterscheidet den Kapitalismus von früheren gesellschaftlichen Verhältnissen? Was versteht Marx unter Ware, Wert, Geld und Kapital? Welche Bedeutung haben die Begriffe Fetischismus, Klasse und Staat bei Marx?
Oliver Barth ist Soziologe und promoviert an der Universität Hannover zu Islamic Banking.
Moritz Zeiler ist Historiker und Politikwissenschaftler sowie Mitarbeiter des Regionalbüros der Rosa Luxemburg Initiative Bremen.
Beide sind Mitglieder von associazione delle talpe.
05.04. – Kritik von Verschwörungstheorien
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 21. Februar 2012
(Daniel Kulla, Berlin)
“Entschwörungstheorie” ist ein ironisches Label. Ziel ist nicht die Einheitliche Feldtheorie zur Widerlegung sämtlicher Verschwörungstheorien. Vielmehr geht es darum, das Thema für eine kritische Diskussion überhaupt zugänglich zu machen und die dafür wichtigen Fragen aufzuwerfen. Motiv ist die Unzufriedenheit mit der bisherigen Beschäftigung mit Verschwörungsdenken, die besonders in Deutschland vorwiegend in unkritisches Durchwinken einerseits und akademisch-elitäres Bashing à la Wolfgang Wippermann andererseits zerfällt.
Es soll die Besonderheit des modernen Verschwörungsdenkens gegenüber früheren Formen betont werden; es werden nicht mehr hauptsächlich aufgrund unzureichender Informationen wilde Spekulationen angestellt, sondern es findet eine Reduktion trotz verfügbarer Informationen statt. Dabei kleidet sich moderne Verschwörungsideologie ins Gewand etablierter Autoritäten (Wissenschaftler, Historiker, Politiker) und übertrifft diese in der Wirkung beim Publikum in vielen Fällen. Dieser hier als “Travestie” bezeichnete Mechanismus gehört zu den wichtigsten Verbreitungsweisen des Verschwörungsdenkens und sollte nicht durch die üblichen Reaktionen bestärkt werden.
Am wichtigsten jedoch scheint hier die Unterscheidung in offenes und geschlossenes bzw. ideologisches Verschwörungsdenken. Ersteres zeichnet sich durch offene Fragestellungen und die Beschäftigung mit der Realität von Verschwörungen (klandestine Machtstrukturen, Geheimdienste) aus, während zweiteres als geschlossene Ideologie daherkommt, in der die Antworten immer schon vorher feststehen, mittels derer durch Vorverurteilungen Opfer- und Feindmarkierungen vorgenommen werden und somit Brennstoff für die Politik von Ausschluß, Verfolgung und Massenmord geliefert wird.
02.02 – Kritik der Heteronormativität
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 10. Januar 2012
(Wiebke Frieß, KRASS – kritische assoziationen)
Gesellschaften sind von Heteronormativität durchzogen und erheben eine heterosexuelle Lebensweise zur sozialen Norm. Alle weiteren Begehren und Identitätsformen werden als „Abweichung“ von dieser Norm definiert und sind alltäglich diskriminiert.
Kritiken an Heteronormativität sind mit der sogenannten dritten Welle des Feminismus und Queer Theorien seit den 1990er Jahren populärer geworden.
In diesem INTRO wird die soziale Konstruktion der Heteronormativität und das damit einhergehende Zweigeschlechtersystem [streng geteilt in „Frau“ und „Mann“] hinterfragt und einer queer-feministisch-poststrukturalistischen Kritik unterzogen. Zur Verortung dieser Kritiken wird es eine Einführung in Gender und Queer Theorien geben. Vor dem Hintergrund der historischen Entwicklungen „des Feminismus“ wird ein fragmentarischer Einblick in die Debatten der letzten Jahrzehnte dargelegt. Dabei werden Kritiken postkolonialer Feministinnen, des black feminism, der LGBTI Bewegungen und Strömungen wie die Kritische Männlichkeitenforschung reflektiert und der Zusammenhang von Kategorien wie sex, race, class und gender fokussiert. Darüber hinaus wird auch versucht auf feministische Strömungen innerhalb von Kritischer Theorie und Marxismus einzugehen.
Abschließend soll gemeinsam das (Spannungs-)Verhältnis von Theorie und (linker) politischer Praxis in Bezug auf Heteronormativität und Geschlechterverhältnisse diskutiert werden. Dabei geht es auch darum, das Spannungsverhältnis zwischen (queerer) Kritik an der Konstruktion des Zweigeschlechtersystems und den existierenden sozialen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen, Probleme zu thematisieren sowie Chancen auszuloten. Wie könnte eine queer-feministische Theorie in die alltägliche Praxis getragen werden? Welche Möglichkeiten der Intervention und Subversion sind vorstellbar; wider der heteronormativen Matrix?
Wiebke Frieß [eine der Herausgeberinnen der selbstorganisierten queer-feministischen Zeitschrift KRASS – kritische assoziationen / Hamburg]
08.12. – Kritik des Nationalismus
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 29. November 2011
In diesem Intro geht es um die Kritik des Nationalismus, aber auch die grundsätzliche Frage, was überhaupt Nation und warum sie ein Problem ist. Die Einführung versteht sich historisch und systematisch: Einerseits versucht sie zu klären, warum eine Kritik des Nationalismus immer auch eine Kritik der Nation ist; andererseits soll diese Kritik anhand der Geschichte des Nationalismus bzw. der Geschichte der Nation (des modernen Nationalstaats) formuliert werden. Kritik des Nationalismus ist, auch in Bezug auf seine gegenwärtige Realität und Ideologie, immer Kritik der konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse; dafür sollen weitere, für die Moderne fundamentale Begriffe wie Volk, Kultur oder Tradition in den Blick genommen werden, aber auch Aspekte der Massenpsychologie, der so genannten Biopolitik und der Kritik der politischen Ökonomie.
05.01. – Kritik des Antiziganismus
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 10. November 2011
(Anna Friedrich und Markus End, Berlin)
Im Vortrag wird – nach einer kurzen Begriffsklärung – zunächst auf die lange Geschichte und gesellschaftlichen Hintergründe des Antiziganismus in Europa eingegangen. Dabei wird ein theoretischer Zugang auf der Basis Kritischer Theorie angeboten und auf die Kategorien “Arbeit”, “Nation” und “Geschlecht” eingegangen. Vor dem ausgebreiteten theoretischen Hintergrund sollen in einem zweiten Teil die konkreten gesellschaftlichen Wirkungsweisen von Antiziganismus in den letzten Jahren betrachtet werden. Dabei legen wir einen Fokus auf die pogromartigen Ausschreitungen in der Tschechischen Republik im Herbst 2011. In verschiedenen Orten marschierten über mehrere Wochenenden ca. 1000 Menschen gegen Roma auf – in einigen Fällen auch bewaffnet.
Intros 2.0: weiter geht’s
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 10. November 2011
Unsere Introveranstaltungen gehen in die nächste Runde. Im Dezember geht’s los. Jeweils am Donnerstag um 19 Uhr, diesmal in der Roten Flora.
08.12. Kritik des Nationalismus (Roger Behrens)
05.01. Kritik des Antiziganismus (Anna Friedrich und Markus End, Berlin)
02.02. Kritik der Heteronormativität (Wiebke Frieß, KRASS – kritische assoziationen)
01.03. Kritik des Kapitalismus (Associazione Delle Talpe, Bremen)
05.04. Kritik von Verschwörungstheorien (Daniel Kulla, Berlin)
12.7. – Kritik des Staates
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 16. Juni 2011
(Moritz Zeiler, Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen)
Über den Staat gehen in der Linken die Interpretationen weit auseinander: für die einen ist er der Garant des Allgemeinwohls, anderen gilt er als das Instrument der kapitalistischen Klassenherrschaft und wieder andere sehen in ihm das Terrain sozialer Kämpfe.
Mit der Veranstaltung wird eine Einführung in die verschiedenen Tendenzen marxistischer Staatstheorie geboten. Dabei werden in drei Themenkomplexen die zentralen Thesen marxistischer Theorie zum Begriff des Staates präsentiert. Themen sind die instrumentelle Staatstheorie bei Lenin (Staat als Instrument der herrschenden Klasse), die relationale Staatstheorie bei Antonio Gramsci, Louis Althusser und Nicos Poulantzas (Staat als materielle Verdichtung von Kräfteverhältnissen) sowie die Reflexionen von Eugen Paschukanis über den Staat als Rechtsform und die daran anknüpfende Staatsableitungsdebatte.
Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert und ist Mitglied im Vorstand der Rosa Luxemburg Initiative Bremen (RLI) und Mitherausgeber von Staatsfragen. Einführungen in materialistische Staatskritik, rls papers, Berlin 2009.
14.6. – Religionskritik
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 26. Januar 2010
(Erik Kuhlenkamp)
Religionen nehmen trotz der weitestgehenden Trennung von Staat und Kirche in Europa immer noch erheblichen Einfluss auf Politik und Alltag. In dieser Einführung sollen die Fragen erörtert werden, warum Religion auch heute noch eine so hohe Bedeutung beigemessen wird und welche Auswirkung bestehende Religionen auf fortschrittliche gesellschaftliche
Entwicklungen haben, wie zum Beispiel die Anerkennung anderer sexueller Lebensentwürfe. Aufbauend auf eine Vorstellung der Weltreligionen möchten wir einführen in Begriffe und Theorien zum jüdischen Messianismus, dem Antijudaismus im späten Mittelalter, dem islamischen Dschihad vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart und die Veränderung von Religion in der Gegenwart am Beispiel neuer Christenbewegungen. Anschließend geht es um die kritische Kontextualisierung von Religion zwischen Herrschaft, Ideologie und Identität. Dabei werden wir uns mit den Ideen sowohl klassischer Religionskritiker, beginnend mit der griechischen Philosophie über Feuerbach zu Marx und Walter Benjamin, als auch zeitgenössischen Positionen auseinandersetzen. Mit dieser Einführung in die Kritik der Religionen möchten wir Argumente scharfmachen, um Religion(en) als Ideologie von Herrschaft und Unmündigkeit konsequent zu kritisieren.
Erik Kuhlenkamp hat Religionswissenschaft und Geschichte in Bremen studiert.
08.03. – Kritik des Geschlechterverhältnisses
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 25. Januar 2010
(Karina Korecky, Hamburg)
Unter Wiederholungszwang. Über bürgerliches Subjekt und Geschlecht
Wer über das Geschlechterverhältnis nachdenkt, muss sich üblicherweise zunächst rechtfertigen: Dabei muss der offensiven Verleugnung des Leidens am Geschlechterverhältnis – »Wer sich diskriminiert fühlt, ist selber schuld« – entgegengetreten werden; muss gezeigt und erinnert werden, dass keineswegs die Emanzipation bereits eingetreten ist. Auf der Ebene von Zahlen und Fakten, mit dem jüngsten Bericht über die Einkommensdifferenzen zwischen Männern und Frauen in der Hand, ist das relativ leicht und die Argumente einsichtig. Wenn es aber nicht um statistische Empirie, sondern um persönlicher Erfahrung geht, bekommt der Feminismus paradoxerweise Schwierigkeiten: Beinahe jede Frau fühlt sich freier als die eigene Mutter und erst recht die eigene Großmutter und die leisen Zweifel daran, es vielleicht doch nicht so grundsätzlich anders zu haben, werden im Dienste der Aufrechterhaltung des eigenen Selbstbewusstseins leicht ignoriert.
Früher sei es den Frauen schlecht gegangen, heute stünde ihnen die Welt offen – schon Olympe de Gouges konnte 1789 im Nachwort ihrer Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin den Fortschritt für sich in Anspruch nehmen: »Frau, erwache; die Sturmglocke der Vernunft verschafft sich auf der ganzen Welt Gehör; erkenne deine Rechte. Die mächtige Herrschaft der Natur ist nicht länger umringt von Vorurteilen, Fanatismus, Aberglauben und Lügen. Die Fackel der Wahrheit hat alle Wolken der Dummheit und der Anmaßung aufgelöst.« Aber weder die Durchsetzung von Vernunft gegen Aberglauben, natürliche Rechte gegen gottgegebene und auch nicht das gesetzlich festgeschriebene Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts haben das Geschlechterverhältnis ins Wanken gebracht, ganz im Gegenteil. Erst mit der bürgerlichen Gesellschaft ist es in die Welt gekommen und scheint sich gemeinsam mit der subjektiven Erfahrung zunehmender Freiheit durch die Dialektik der Aufklärung hindurch hartnäckig zu reproduzieren.
Weil sich alles geändert hat und doch nichts, sieht sich die feministische Kritik stets aufs Neue gezwungen, ihren Blick auf die Anfänge der Gesellschaft der Freien und Gleichen zu richten. Der Vortrag folgt dieser Bewegung und wirft darin die Frage nach den Gründen für den Wiederholungszwang auf.
12.4. – Kritik des Rassismus
Verfasst von Intros Hamburg unter Allgemein am 24. Januar 2010
(Rosa Fava)
Unter Rassismus können vollkommen unterschiedliche Phänomene gefasst werden: Ungleiche Rechte von Eingewanderten, Apartheid, das Sterben lassen vor den Grenzen Europas und exterritoriale Gebiete am Frankfurter Flughafen, völkischer Nationalismus, die überproportionale Zuweisung von „Migrantenkindern“ auf Haupt- und Förderschulen, das Weißsein deutscher linker Zusammenhänge, Sklaverei, abwertende Begrifflichkeiten für Personen und deren Lebenswelten, der Multikulturalismus als Staatsmodell, die Entstehung einer breiten deutschen Mittelschicht über den Gastarbeitern, physische Gewalt von Neonazis, … Antisemitismus gilt mal als spezielle Form von Rassismus, mal als Oberkategorie für unterschiedliche Formen von Aus- und Einschluss zur Schaffung eines homogenen Kollektivs. Antiziganismus wird zunehmend nicht als ‚normaler‘ Rassismus verstanden, Rassismus gegen Muslime soll es nicht geben.
In Deutschland entwickelte sich eine Kritik des Rassismus erst sehr spät und gegen große Widerstände in den 1990er Jahren, meist in Orientierung an der englischsprachigen und französischen Theoriebildung und/oder in Anlehnung an die Kritik des Antisemitismus. Vorherrschend ist aber immer noch, auch in linken Publikationen, das Konzept der Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit sowie der Vorurteilsforschung. In dem Vortrag geht darum, verschiedene Begriffe und Zugänge vorzustellen.
Rosa Fava lebt in Hamburg, ist im Arbeitskreis Distomo für die Entschädigung von NS-Opfern aktiv.
